Achterbahn der Gefühle zum 6.ten Platz
Ein sehr ereignissreiches Wochenende mit vielen, vielen Tränen steht hinter uns.
Aber von vorne:
Nach einem harten Wintertraining, vielen Zusatztrainingsstunden in den letzten Wochen und viel Orga und Vorbereitung während der letzten Tage starteten wir am Freitagvormittag gut gelaunt, mit gesunden Kindern und bis dato gesundem Pferd nach Bodenheim.
Mit Eltern und viel Leckerein pausierten wir 30min. im Grünen und kamen gegen 14h in Bodenheim an. Eine riesige Turnieranlage in Top – Zustand und eine tolle Unterkunft trafen Pferd und Voltigierer an.
Gegen 16.15h gingen wir in den Prüfungszirkel zum 15minütigen Training. Carino machte seine Sache wie üblich bravourös. Alle waren sehr zufrieden.
Um 18.20h wurden wir zur Verfassungsprüfung unseres Pferdes gebeten. Dann der Schock.
Carino lief nicht klar. 10 min. in die Warteschleife und erneut Vortraben hieß es. Aber, es wurde nicht besser sondern immer schlimmer. Eine deutliche Lahmheit hinten links war zu verzeichnen. Das A U S für uns? Eigentlich ja. Wir waren am Boden zerstört.
Glücklicherweise sollte am Samstagmorgen für die erst dann angereisten Pferde eine zweite Verfassungsprüfung stattfinden. Auf unser Hinterfragen durften wir am Samstag dann ein weiteres Pferd um 8h vorstellen.
Mit Hilfe des Tierarztes stellten wir bei Carino ein Hufgeschwür fest welches wir sofort behandelten. Natürlich hatten wir die Hoffnung aufgrund seiner Coolness das er am Samstagmorgen wieder fit ist. Dennoch überlegten wir fieberhaft welches Pferd sonst noch in Frage käme.
Um meinen Kindern das hautnahe Erleben des Auf- und Abs zu ersparen bat ich diese mit unseren Helfern Kathrin, Mela und Sandra in unsere Pension zu fahren und dort abzuwarten.
Die Stimmung war auf dem Nullpunkt. Der L – Cup rückte für uns in weite Entfernung.
Die Turnierleitung Alex Dietrich schlug dann ein Pferd von Eddersheim vor. Leider erreichten wir die Trainerin nicht um diese um Erlaubnis zu bitten ggf. mit Ihrem Pferd an den Start zu gehen. Also weiter überlegen.
Meine Kinder saßen auf heißen Kohlen und ich traute mich nicht Sie anzurufen um die bisherigen Ergebnisse preis zu geben, nämlich: kein Ersatzpferd gefunden. Dennoch konnte ich nicht mehr warten und rief Sie an und versprach über Lautsprecher: „Ich weiß nicht wie, aber ich verspreche Euch …. Wir werden starten“.
Irgendwann kamen wir auf die Idee unser A-Gruppen Pferd Sitting Bull zu holen. Besser mit ihm in die Quali als gar nicht starten dachten wir uns.
Zu Hause hatten wir währenddessen alle Helfer mobilisiert die nur auf grünes Licht warteten loszufahren, um uns Sit entgegenzubringen.
Als Deadline hatten wir uns 21h gesetzt. Als wir bis dahin immer noch keinen Rückruf von der Eddersheimer Trainerin hatten setzen Danielle und ich uns ins Auto und fuhren zu meinen Voltis. Viele traurige Gesichter mit frisch verweinten Tränen in den neuen Anzügen empfingen uns. Ich nahm die Kindern in den Arm und teilte mit das wir jetzt Richtung Radevormwald führen und Sit holen würden. Das Leuchten in den Augen war wieder da, eine neue Chance, besser als keine.
Meine Mädchen überraschten mich zu diesem Zeitpunkt dann mit einem wundervollen Pokal:
„Siegerin unserer Herzen“ stand drauf. Ab diesem Zeitpunkt war dann restlos alles vorbei und wir ließen gemeinsam unseren Gefühlen freien Lauf.
Gegen 21.30h fuhren Danielle und ich los und trafen uns mit meiner Schwester und meinem Vater an der A 3 in Höhe Koblenz/Neuwied auf einem Parkplatz.
Mittlerweile war es stockduster. In einer 5 Minuten – Aktion: Hänger auf, Pferd raus, Pferd in unseren Hänger rein, Equidenpass übergeben und zurück. Wir fühlten uns wie Kriminelle. Jeder Außenstehende hätte wohl gedacht hier wird ein Pferd geklaut. Vielen Dank an Tanja und Rainer für diese Aktion.
Gegen kurz vor 1h kamen wir am Turnierstall an, verbrachten Sit in seine Box, kümmerten uns erneut um Carinos Huf und lagen dann um 01.30h endlich im Bett.
Für 7h hatte ich mich mit Danielle am Stall verabredet. Hier prüften wir dann zunächst ob Carino wieder fit war. Fehlanzeige. Die erste Hoffnung löste sich in Luft auf. Carino ging es deutlich besser, aber lahmfrei war er leider noch nicht. Plan B wurde angegangen. Da wir aus der Vergangenheit schon wissen das Sit immer ein bissl braucht (immerhin ist er irgendwas zwischen 14-16 Jahren) longierten wir ihn ab. Rechte Hand, alles super. Nach dem Handwechsel stellten wir fest das auch Sit nicht ganz sauber lief. Alle paar Schritte war ein kleiner Nicker zu verzeichnen. Oh Himmel. Lass es bitte nicht wahr sein. Bitte nicht.
Unser Plan B geriet ins Wanken.
Glücklicherweise hatte ich meine Kinder gebeten nicht zur Verfassungsprüfung zu kommen sondern in der Pension auf Nachricht zu warten.
Bei der Verfassungsprüfung wurde nun auch Sit in die Warteschleife geschickt. Vielleicht läuft er sich ein …… Nach weiteren 10 Minuten auch für Ihn das A U S !!!
Unsere Enttäuschung, meine Enttäuschung konnte ich nun nicht mehr verbergen und ließ meinen Tränen, meiner Verzweifelung, meiner Wut freien Lauf.
Der Turniertierarzt litt mit mir und schien einfach beeindruckt von unserem festen Willen teilnehmen zu wollen. Daraufhin griff er zum Handy und versuchte für uns ein Leihpferd klar zu machen. Minuten des Wartens wurden zu gefühlten Stunden. Endlich, die erlösende Nachricht. Das S-Gruppen Pferd von Mainz – Laubenheim, Elevation, wird uns zur Verfügung gestellt. Puh. Ein Zentnerschwerer Stein löste sich von meinem Herz. Endlich, wieder eine neue Chance. Wow. Ich war tief gerührt und unendlich glücklich.
in neuen Trikots, mit Hanne und unserem super Ersatzpferd Elevation :)
Danielle, Sandra, Kathrin und ich fuhren wiederum gemeinsam zur Pension Achatz und wiederum schauten uns 10 erwartungsvolle Gesichter an. Wir teilten ihnen (ein bisschen gemein) zunächst nur mit, dass auch Sit durch die Verfassung gefallen war. Aber …. Gleich darauf natürlich auch, dass uns Elevation zur Verfügung gestellt wird und einem Start nun nichts mehr im Wege steht. Natürlich musste auch Elevation noch durch die Verfassung. Nach Aussage der Longiererin Hanne Strübel jedoch brauchten wir uns hier keine Sorgen zu machen.
Wir jubelten gemeinsam und stellten nun endlich unseren Zeitplan fürs WE auf.
Zunächst ging es für uns Trainer und Helfer zum Frühstück. Im Anschluss daran stellten wir in Ruhe unsere Turnierfrisur her und bereiteten uns emotional vor.
Sicherlich hatten wir in Elevation einen hervorragenden Partner, besser hätten wir es nicht haben können. Dennoch muss natürlich der Schalter im Kopf der Voltis von Carino auf Elevation umgelegt werden. Einem fremden Pferd muss sofort vertraut werden.
Gegen 13h kam Elevation an, durchlief ohne Probleme die Verfassungsprüfung und einem Start stand nun endgültig nichts mehr im Wege. Gegen 14.15h rüsteten wir das Pferd mit unserer Ausrüstung und machten uns auf zum Ablongieren. Ein kurzer Galoppdurchgang von Stütz vw und Stehen war noch möglich, Kür nur im Schritt und dann ab in die Prüfung.
Vor der Prüfung wurde natürlich gedrückt, geknutscht und noch die ein oder andere Träne verdrückt. Darüber hinaus überraschten die Kinder mich noch mit einem geänderten Gruppenschreier der da lautete: FÜR WEN? FÜR BRITTA UND CARINO.
H-A-Doppel M-E-R, Hammer yeah. (Natürlich noch mehr Heulerei) Für mich als Trainerin war es sehr schwer von außen zugucken zu müssen (da Hanne natürlich ihr Pferd longieren musste …. Sie kennt es viel besser) und nicht noch den ein oder anderen hilfreichen Tipp geben zu können. (Aber auch das hat Hanne übernommen) Aber … alles für die Kids.
An den Start gingen: Leasy, Kathi, Kim, Kim, Pia, Jana, Isa und Lisa.
Danielle und ich standen währenddessen am Rande des Zirkels und kollabierten beinahe. Danie: „Jetzt, Jetzt, kommt Isa’s Stehen, SUUUUUUPER, jetzt, oh bitte, Kathis Schwung, Klasse gemacht, und jetzt, jetzt, Cool sein Kim H., jaaa, sie hat’s gestanden, wenn auch mit Galoppfehler, egal, egal, super gemacht. Jetzt Kür, Leasy und Kim H. SUUUPER Toll gestanden, ganz ruhig ganz toll, und und und. Oh nein, Lisa ist gestürzt, komm schnell wieder drauf und jetzt lächeln, jaaaaah, Klasse gefangen und jetzt ruhig weiter, nur nicht stressen lassen.“ Wir hielten uns an Händen, Hosen oder am gesamten Körper fest. Es war unerträglich. Herzstillstandnähe war gegeben.
Mit einer gigantischen Gesamtnote für Pflicht und Kür von 5,890 durchliefen meine Voltis hervorragend die Qualifikation. Ich war saustolz. Hanne hatte das Pferdchen super klasse longiert. Er lief toll.
Bis zur Siegerehrung fieberten wir für einen Start im Finale. Die Zeichen standen gut.
Offen war jedoch wie viele Gruppen genau fürs Finale zugelassen würden. Die Aussage war zwischen 8 und 12 Gruppen von 20.
Endlich. Die Siegerehrung. Wir hatten uns als 7.ter fürs Finale qualifiziert. Superklasse. Megatoll. Mein Handy stand nicht mehr still. Als ich die Nachricht nach Hause geschickt hatte wurden wir mit Glückwünschen überschüttet. Yeah. Mehr als wir uns erhofft hatten.
Darüber hinaus holte sich Hanne mit der besten Pferdenote den ersten Platz und Leasy den dritten Platz für die beste Einzelwertnote in der Pflicht. Der erste und zweite Platz hier wurde von den Australien belegt so dass man ohne Zweifel sagen kann: LEASY hatte an diesem Tag die beste deutsche Pflicht.
Was für ein Tag. Zwischen HimmelhochjauchzendundzuTodebetrübt. Wir kamen aus dem Heulen nicht mehr raus. Nach der Siegerehrung schauten sich einige dann noch die Märchenshow an, andere fuhren in die Pension um die Utensilien für den von Danielle organisierten Grillabend mit den anderen Rheinländergruppen zu holen.
Zusammen mit den Neussern die nach diesem Tag auf Platz 1 lagen, und den Klevern die auf Platz 4 lagen feierten wir unsere Erfolge und stießen darauf an. Gegen 23h beendeten wir diesen erfolgreichen Tag und fielen, nachdem wir noch einmal nach unseren Pferdchen geguckt hatten, halbtot ins Bett. Es war nicht nur ein anstrengender Tag, sondern auch ein sehr heißer Tag vor dem wir sehr wenig Schlaf bekommen hatten.
Sonntag dann ging es gegen kurz nach 6h hoch motiviert wieder los. Pferde versorgen, Frühstücken, Haare machen, anziehen und auf zum Turnier.
Elevation kam gegen 08.30h an und war wie Tags zuvor gut drauf. Da an diesem Tag unsere gestrigen Fans Leelja und Winnie anstatt Kim H. und Kathi an den Start gingen, bekamen diese noch einmal kurz die Gelegenheit ein paar Pflichtübungen und die Kür im Galopp zu turnen.
Wieder wurde geheult, geknutscht und die Daumen gedrückt und die Prüfung konnte beginnen. Mit einer Endnote von 5,495 absolvierten meine Mädels die Pflicht. Einfach unsagbar klasse.
In der Wartezeit zur Kür kümmerten sich meine Mädels wieder um unsere Pferde und wir bereiteten soweit die Boxen, den Hänger und die Autos für die Abreise vor. Wir wollten nach der Siegerehrung relativ schnell durchstarten nach Hause.
Zunächst aber gingen wir um kurz vor 13h in die Kür – Prüfung Finale. Und auch hier zeigten meine Mädels Ihre Angst die Stirn und legten eine souveräne Vorführung hin. Danie und ich drückten vom Rand aus natürlich wieder die Daumen. Endergebnis 6,1. Wir waren nur noch sprachlos und unendlich glücklich.
Wir verfolgten gespannt die Küren der anderen Gruppen. Nach der Pflicht konnten wir den in der Quali erworbenen 7.ten Platz verteidigen. Würde uns das auch nach der Kür gelingen?
Die Siegerehrung begann um 14.15h und qualvolle Stunden und Tage gingen zu ende.
Wir hatten es tatsächlich geschafft. Nach so vielen turbulenten Stunden hatten wir uns auf Platz 6 der besten deutschen L – Gruppen 2009 gekämpft. Hart gekämpft und mehr als verdient.
Unsere Landsleute aus dem Rheinland konnten sich den ersten und vierten Platz sichern.
Das Rheinland, sowieso als stärkste Zuschauergruppe vertreten, konnte hoch erhobenen Hauptes den Weg nach Hause antreten. Meinen herzlichen Glückwunsch an Fabi und Simone und an Kim. Ihr habt wirklich tolle Teams. Ich freue mich darauf im Herbst/ Winter mit Euch ein Wiedersehen zu feiern. Vielleicht mit einem Workshop nach M* und natürlich Danie als Trainer.
Da schon alles gut verstaut war konnten wir gegen 16h nach vielen Glückwünschen den Heimweg antreten.
Carino und Sit hatten sich durch hervorragende Versorgung von unseren fleißigen Helfern Kathrin, Sandra und Mela sowie den Voltis gut erholt und waren froh als Sie endlich zu Hause in der Box standen.
Uns währenddessen erwartete zu Hause ein Empfangskommando. Steffi und Claudi hatten mit Plakat, Musik und Sekt und einigen anderen auf uns gewartet und uns mehr als gebührend empfangen. Toll. Vielen Dank. Wir haben uns darüber sehr gefreut.
Bleibt mir nur noch zu sagen das ich Hanne einfach wahnsinnig dankbar bin für die Möglichkeit überhaupt starten zu dürfen, Danie für die hervorragende psychische und physische Betreuung, Sandra und Kathrin für den Dienst der TT (der eigentlich schon weit darüber hinaus ging), Mela für die Betreuung meines Kindes, meiner Familie für die Unterstützung und das Bringen von Sit, dem Tierarzt und dem LK Beauftragen Hr. Faltermann für die Unterstützung, den Voltieltern fürs Fahren, fürs Einkaufen und für´s Grillen und natürlich Euch, liebe Voltis, für Euer tolles Turnen.
DANKE an alle.
Britta
P.S. Bei Hanne haben wir uns nach der Quali schon mit einem schönen Blumenstrauß bedankt. Nach dem Finale gestern haben wir Hanne mit Ihrer L – Gruppe auf ein Wochenende in Radevormwald eingeladen. Ich hoffe sehr sie nimmt es an.
| Erste Wertung |
Richter A 5,810 |
Gesamt 5,890 |
Plazierung 6 |
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Richter B 5,824 |
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|
Richter C 6,038 |
|||
| bestes Pferd |
Richter A 7.500 |
Gesamt 7,500 |
Plazierung 1 |
|
Richter B 7,000 |
|||
|
Richter C 8,000 |
|||
| Finale Pflicht |
Richter A 5,613 |
Gesamt 5,490 |
Plazierung 7 |
|
Richter B 5,461 |
|||
|
Richter C 5,398 |
|||
| Finale Kür |
Richter A 6,112 |
Gesamt 6,129 |
Plazierung 7 |
|
Richter B 6,200 |
|||
|
Richter C 6,075 |
|||
| Gesamtwertung |
1.Umlauf 5,490 |
Gesamt 5,810 |
Plazierung 6 |
|
2.Umlauf 6,129 |